Embargo


Immer dann, wenn das Herz eine
Geisel des Verstandes wird, in
materielle Gefangenschaft der Logik
gerät, eingekerkert in strenger
Isolationshaft steckt, um ihm
dadurch jede Gelegenheit zu nehmen
gehört zu werden, handelt es sich um
ein Embargo der Vernunft.
Es wird über sämtliche Regungen und
Beweggründe des Herzens verhängt,
um es zu unterwerfen und zum
Schweigen zu bringen.
Doch des Nachts, wenn die Macht
des Verstandes nur unterschwellig
herrscht, wagt sich das Herz ganz
dicht an die Gitterstäbe. Es rüttelt
heftig daran, um deren Stabilität zu
prüfen. Unbeweglich starr bleiben sie,
unnachgiebig fest verankert sind sie.
Traurig aber nicht mutlos flüstert das
Herz durch sie hindurch: " Hallo!
Kannst du mich hören? Ich bin hier.
Der Verstand bewacht mich, lässt
mich nicht zu dir, obwohl meine
Sehnsucht und mein Verlangen sehr
groß sind. Jeden Tag aufs Neue
prügelt der Verstand mit
Moralpredigten auf mich ein, dass
man nicht einfach tun und lassen
kann was man will, sondern sich
bestimmten Gesetzen und
Rahmenbedingungen zu beugen
hätte, ganz gleich was man dabei
letztendlich empfindet.
Ach, wenn ich den Verstand doch nur
davon überzeugen könnte, wie
Unrecht er damit hat."

Und dem Herzen wird es erneut ein
wenig schwer um sich selbst herum.
Es quält sich durch die Sinnfragen die
der Verstand für so bedeutungsvoll
ansieht.

Aber wer hat diese Richtlinien
verfasst?
Wer entscheidet darüber was
vernünftig ist und was nicht?
Hat der Verstand das Recht über das
Herz zu urteilen?
Wer hat überhaupt das Recht zu
urteilen?
Sollte der Verstand nicht lieber von
seinem verhängten Embargo ablassen
und versuchen mit dem Herzen zu
einer harmonischen Gemeinschaft zu
gelangen?

Es wird noch etwas dauern. Es wird
noch etwas Zeit vergehen, aber die
Hoffnung und Zuversicht werden
dem Herzen die nötige Nahrung
geben, um den anfänglich nur zaghaft
geleisteten Widerstand kraftvoller
werden zu lassen. Die Rufe des
Herzens sollen so furios erklingen,
dass die Gefängnismauern, gebaut
aus Vernunft, einstürzen werden
und das Licht und die Liebe in allen
Herzen Einzug halten kann.

© Ina Corbeau, 03. Mai 2009